Bericht zur anstehenden Kurhaus-Demo

5. April 2018

Als ich am vergangenen Wochenende von der Aktion gehört habe, dachte ich erst an einen Aprilscherz. Wie nun aber die Medien berichten handelt es sich doch um eine reale, tatsächliche Aktion, welche von Teilen der Wildunger Ärzteschaft und einigen Anhängern des Kurhauses organisiert wird.

Wie in den sozialen Medien zu lesen ist, haben sich die Wildunger Ärzte 10 Jahre lang angesehen was mit dem Kurhaus passiert. 10 Jahre lang hat sich aber niemand aus deren Reihen öffentlich mit einem Konzept oder deren Ideen eingebracht. Die Frage muss erlaubt sein: Wieso nicht? Warum hat man sich in 10 Jahren nicht aktiv an den Diskussionen und Beratungen eingebracht?

Die gewählten Mandatsträger sind ehrenamtlich tätige Personen, die nach bestem Wissen und Gewissen handeln und dafür auch gerne ab und zu mal den Kopf hinhalten. Aber ist es fair, den Entscheidungsträgern gegenüber, sich hinter beschriebenem Papier und den sozialen Netzwerken zu verstecken, statt sich aktiv einzubringen wenn die Möglichkeit dazu gegeben ist? Über Jahre haben sich immer wieder Entwickler und Betreiber für das Kurhaus in den verschiedensten Gremien vorgestellt. Eine Einigung über den Verbleib oder den Betrieb konnte aber aus verschiedensten Gründen nicht realisiert werden.

Das Medizingewerbe ist das Umsatzstärkste Gewerbe in der Stadt, hier verdienen Klinikbetreiber und niedergelassene Ärzte gutes Geld. Wenn man doch ein so großes Interesse an einem Kurhaus aus den 80er Jahren hat, hätte doch die Wildunger Ärzteschaft eine Gesellschaft gründen können, das Kurhausareal selber erwerben und nach eigenen Wünschen und eigenen Konzepten wieder in Betrieb nehmen können. Als Berater hätte sich bestimmt auch eine Person gefunden, die weiß wie man ein solches Projekt mit Leben füllt, denn das behauptet eine Person ja immer wieder. Beispiele für ein solches Konzept mit privaten Investoren gibt es zur Genüge. ( z.B. wird das Berliner Stadtschloss im Wesentlichen durch private Investoren und Sponsoren wieder errichtet )

Haarstreubend ist die Anregung von Dr. Schmidt-Betschel, statt Stadtvillen, welche sich sehr gut verkaufen lassen, wie in der Vergangenheit von Hr Göbel bewiesen, preiswerte Wohnungen für junge Leute auf dem Kurhausareal zu bauen! Wenn wir nicht ganz falsch liegen, liegt der Quadrahtmeterpreis hier deutlich über denen anderer Orte in der Stadt. Möchte Dr. Schmidt-Betschel dort selber aktiv werden und dann die Wohnungen aus eigener Tasche bezuschussen? Oder soll hier die Stadtverwaltung mit einer Wohngeldbezuschussung aktiv werden?

Es kann und ist nicht die Aufgabe einer Stadtverwaltung ein Objekt zu modernisieren oder zu finanzieren um es dann an ein Gewerbe egal welcher Art abzugeben, damit dieses Gewerbe dann Geld verdient. Haben die Organisatoren mal Ihre eigenen Kinder gefragt, was sie davon halten, dass sie für ein solches Gebäude die Schulden noch in Jahrzehnten bezahlen sollen? Die Kinder und Jugendlichen wurden ja gerade erst im Wahlkampf befragt wie sie zum Kurhaus stehen. Das Ergebnis war doch sehr eindeutig. Unsere Kinder haben kein Interesse an einem Kurhaus. Woran sie aber Interesse haben sind Veranstaltungsorte wo sie ihre Abschlussbälle mit der Tanzschule, ihre Abibälle in der Stadt ausrichten können. Diese Veranstaltungsorte bieten die Hotelbetreiber ausdrücklich an. Außerdem sind ihnen neue, attraktive Einrichtungen, wie ein tolles Schwimmbad, ein Kino oder andere Freizeiteinrichtungen wichtiger. Dafür sollten wir gemeinsam sorgen, dies können wir aber nicht, wenn wir uns nach wie vor ein Kurhaus ans Bein binden und die Kosten dafür tragen müssen!

Mit der Entscheidung die Wandelhalle für über 14 Mio Euro zu modernisieren, umzubauen und ihren Verbleib zu sichern, war doch jedem klar, dass dies das Ende für ein Kurhaus sein musste. Wir leisten uns 2 Wandelhallen, die wir jährlich mit einem 6stelligem Betrag bezuschussen um deren Erhalt zu sichern. Mit einem Kurhaus in städtischer Regie würde dann ein 7stelliger Millionenbetrag jährlich zu Buche stehen, für den unsere Kinder durch Steueranhebungen belastet werden. Soll das die Zukunft sein?

Wir müssen ein neues Schwimmbad bauen, Kosten rd. 20 Mio Euro. Für den Sommer fehlen aktuell für bereits 40 angemeldete Kinder Kindergartenplätze. Diese müssen neu geschaffen und finanziert werden. Somit hat für uns die Zukunft in unserer Stadt eine andere Priorität.

Jörg Schäfer

Fraktionsvorsitzender